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Cafe!

1948 von Bernhard Keese in Hamburg auf der Reeperbahn gegründet war das Cafè Keese lange Zeit eine Institution. Das wunderschöne Haus mit dem beidseitig angebrachten Schriftzug Ermisch-Haus war zu seinen besten Zeiten ein sehr schönes, ruhiges Tanzlokal und hatte absolut nichts mit dem Rotlichtmilieu zu tun.

Besonders attraktiv war das Cafè Keese für ältere Damen und Herren. Vor allem für ältere Damen und Herren war das Cafè Keese gerade in der Nachkriegszeit Treffpunkt und Tanzlokal. Gern nahmen die älteren Semester die Angebote des Lokals in Anspruch und nutzten die Chance um sich einander näher kennenzulernen. Auch wenn sich das Gebäude auf der Reeperbahn befindet hatte das Cafè Keese, wie bereits erwähnt, nichts mit dem berüchtigten Rotlichtmilieu der Stadt Hamburg zu tun. Das gemeinsame Vergnügen der meist älteren Gäste beruhte stattdessen auf der individuellen Einsamkeit und dem Tanzvergnügen. In Verbindung mit dem Cafè Keese ist vor allem die sogenannte Methode „Ball Paradox“ bekannt. Anders als in anderen Tanzlokalen fordert bei dieser Methode nicht der Herr die Dame zum Tanz auf sondern umgekehrt. Dies geschah über nummerierte Tischtelefone die eine Kontaktaufnahme möglich machten. Die Dame kontaktierte den Herrn ihrer Wahl und forderte ihn auf, mit ihr zusammen, durch das Lokal zu tanzen und die Bierdeckel vom Tisch zu fegen. Die Methode gilt als besonders damenfreundlich, da diese den Herrn ihrer Wahl aus eigener Entscheidung heraus ganz unverbindlich kennen lernen können. Aus manchem dieser unverbindlichen Tänze soll angeblich eine treue Gemeinschaft fürs Leben geworden sein.

Bis Ende der 1990er war das Cafè Keese jedoch schon lange nicht mehr finanziell tragbar. Trotz seines bundesweiten Kultcharakters musste der Tanzsalon 1998, mit dem Tod des letzten Betreibers, schließen. Im selben Jahr wurde das Gebäude den Osmanis überlassen. Damit verbunden war ein Vertrag durch die Erbengemeinschaft, der die langfristige Nutzung bzw. Pacht vereinbart. In diesem Zusammenhang wurden mehrere Nutzungsmöglichkeiten in Betracht gezogen. Dazu zählte u.a. die eventuelle Nutzung als Bordell. Diese Möglichkeit wurde jedoch nicht realisiert. Stattdessen wird das Cafè Keese für unterschiedlichste Veranstaltungen genutzt. Neben dem „Ball der einsamen Herzen“ und Clubs wie den Tunnel oder 16 Monkeys hatte auch der berühmte „Quatsch Comedy Club“ im Gebäude einen festen Sitz bekommen. Leider ist vom ehemaligen Charme des Cafè Keese nicht mehr viel übrig geblieben. So verschwand vor geraumer Zeit, im Zuge von Renovierungsmaßnahmen an der Fassade, das eindeutigste Erkennungsmerkmal – der Schriftzug an der rückwärtigen Seite.

Nur der auf der Reeperbahn zu Ehren Udo Lindenbergs 1996 eingelassene Stern vor dem Gebäude strahlt noch etwas vom einstigen Charme des Cafè Keese aus.